In der Westfälischen Rundschau vom 5. Januar 2013 unterbreitet Katja Kipping den Vorschlag, durch Vorwahlen einen gemeinsamen Kanzlerkandidaten von SPD, Grüne und Linke zu küren. Dies hat keinerlei Aussicht auf Erfolg, denn SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück erklärte kurz nach seiner Rede auf dem SPD-Parteitag im Dezember 2012 klar und eindeutig, dass mit ihm eine Rot-Rote Koalition nicht in Frage kommt. Und die Grünen sind mindestens reserviert. Also ein aussichtsloser Vorschlag. Doch der Zweck ist eigentlich ein anderer. Es soll die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Mitte-links-Projekt gelenkt, die Akzeptanz erhöht und dabei die Partei umgekrempelt werden.
Keine Reputation für Mitte-links
Schon im August 2012 thematisierten die Vorsitzenden der Linken das Mitte-links-Bündnis, und auch Dietmar Bartsch erklärte es gegenüber dem stern (22/2011) im gemeinsamen Interview mit Sigmar Gabriel als sein politisches Ziel. Die Antikapitalistische Linke Niedersachsen (vgl. AKL NS) und Sascha Stanicic (Berlin) machten auf die politischen Probleme und Folgen aufmerksam. Bereits für die Partei-Debatte „Fragend schreiten wir voran“ wählten die Parteivorsitzenden im Juni 2012 ein Motto, das wörtlich so im „Gründungsaufruf des Instituts Solidarische Moderne (ISM)“ verankert und von Grünen, Sozialdemokraten und Linken (Höll, Liebig, Korte, Sharma, Bockhahn, Kipping) unterzeichnet ist. ISM und „Osloer-Gruppe“ (siehe hierzu FAZ 23.1.2010) sind Think Tanks für ein Mitte-links Bündnis. „Rot-Rot-Grün? Wir arbeiten daran“, verkündete Halina Wawzyniak bereits am 5. Juni 2011 in der „Frankfurter Rundschau“. Trotzdem, eine gesellschaftliche Mitte-links-Stimmung existiert nicht. Und wenn wir es richtig sehen, ist es den Denkfabriken bis heute nicht gelungen, öffentlich darzustellen wie eine Rot-Rot-Grüne Regierung in den entscheidenden Politikfeldern definitiv Fortschritte erreichen kann. Rechnerische Mehrheiten, mahnt Andrea Ypsilanti (2012), sind noch lange keine gesellschaftlichen Reformmehrheiten. Wer diesen Rat in den Wind schlägt, darf sich von den Linken Regierungsfetischist nennen.